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Reutigen

Die Kirchgemeinde Reutigen umfasst das ganze Gebiet der Einwohnergemeinden Reutigen, Oberstocken und Niederstocken. Per Ende 2009 zählte die Kirchgemeinde folgende Mitgliederzahl:Reutigen 787,Oberstocken 221, Niederstocken 202. Die Kirchgemeinde wechselt im Rahmen der Verwaltungsreform vom Bezirk Frutigen-Niedersimmental zum Bezirk Thun. Im Besitz der Kirchgemeinde sind die Kirche, das 1990 fertig erstellte Kirchgemeindehaus und das 2009 käuflich erworbene Pfarrhaus.Gemäss der Strättligchronik gehört die Kirche von Reutigen nicht offiziell zu den von Rudolf v. Hochburgund gestifteten Kirchen. Sie ist jedoch als Filialkirche von Wimmis erwähnenswert und stammt baugeschichtlich auch aus der frühromanischen Zeit. Wie die Kirche von Wimmis unterstand sie dem Bischof von Lausanne.Die Kirche Reutigen soll im Mittelalter eine vielbesuchte Marienwallfahrtsstätte gewesen sein. Offenbar bestand bezüglich dieser Kirche eine Verbindung zu Rudolf II. von Hochburgund, denn es ist überliefert, dass im Jahre 994 die Tochter Rudolfs II., Kaiserin Adelheid, die Güter von Wimmis, der von ihr gestifteten Benediktinerabtei Selz im Elsass schenkte. Es ist nicht erwiesen, dass Reutigen damals bereits eine Kirche besass. Selbst im Kirchenverzeichnis von 1228 ist die Marienkapelle von Reutigen nicht aufgeführt. Filialkirchen wurden aber oft nicht in die Verzeichnisse eingetragen. Erst im Jahr 1339 taucht die Kirche in den Urkunden auf. 1412 ermöglichte die Stiftung eines Ulrich in Hofen, Burger von Thun, in der Kirche Reutigen einen eigenen Geistlichen einzusetzen, der dreimal pro Woche die Messe zu lesen hatte. Die Sakramente durfte jedoch nur der Priester von Wimmis spenden.1480 verkaufte die Abtei Selz die Güter der Kirche Reutigen zusammen mit dem Kirchenschatz an die Stadt Bern. Seit der Reformation ist das Gotteshaus nun reformierte Pfarrkirche und steht unter dem Schutz der Eidgenossenschaft.Die Kirche Reutigen ist eine Saalkirche; ihre besondere Zierde ist das Türmchen. Ganz besonders zu erwähnen sind im Kircheninnern die weitläufigen Malereien. Originellstes Wandbild ist wohl der sogenannte "Feiertagschristus". Weiter sind ein Christophorus zu sehen und ein in mehreren Bildern dargestelltes Leben Jesu sowie das Jüngste Gericht. Ferner sind zu sehen: Die Flucht nach Ägypten, der Gottvater, das Abendmahl, Christus am Ölberg, die Geisselung und das "Noli me tangere". Der Taufstein stammt aus dem Jahr 1480 und ist aus Sandstein gehauen. Aus dem Jahr 1660 stammt der Abendmahlstisch, die Holzkanzel von 1671. Letztere trägt die Inschrift "Salig sind die das Wort Gottes horen und bewahren spricht Jesus, Lucae 11 V 28,1671". 1764 wurde das Pfarrhaus nach Plänen von Niklaus Sprüngli, unter Einbezug des vorangehenden Baus, umgebaut. 1909 erhielt die Kirche neue Glocken.Das Pfarrhaus entstand 1764/65 unter Einbezug des Vorgängerbaus unter der Leitung des Berner Barock-Architekten Niklaus Sprüngli (1725-1802), der von 1761 bis 1770 das Amt eines "Werkmeisters auf dem Lande" bekleidete. Bei der Fassadengliederung des zweigeschossigen Ründehauses hat er auf plastische Zierstücke verzichtet. Grau gemalte Quader betonen die Ecken des weissverputzten Baus. Die Einfassungen der hohen rechteckigen Fenster sind in Ostermundiger Sandstein gehauen. Innerhalb der Dachründen und an der Laube über dem Eingang setzt das Riegewerk belebende Akzente. An der südöstlichen Schmalseite der Laube zeigt eine hölzerne Sonnenuhr von 1827 die heiteren Stunden an. Die letzte Aussenrestaurierung fand 1986 statt.

Weitere Informationen sind auf der Homepage der Kirchgemeinde kirche-reutigen.ch zu finden.

Textquelle: Homepage der Kirchgemeinde, Foto: Peter Zosso, Redaktion: Stephanie Keller