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Filmtipps: «Beyto»

In «Beyto» sitzt der gleichnamige Protagonist in der Klemme zwischen zwei Kulturen und zwischen zwei geliebten Menschen. Aber ein Ausweg zeichnet sich ab.
 
Beyto ist ein traditionsbewusstes tscherkessisches Dorf in der Türkei und es ist der Name des einzigen Sohnes türkischer Immigranten. Beyto trägt den Namen auf Wunsch und zum Stolz seines Grossvaters. Der charmante Beyto ist verliebt in Mike, seinen attraktiven Schwimmtrainer. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander. Dass Beyto von seinen Tanten zusammen mit Mike als Teilnehmer an der Pride beobachtet wird, ist an Zufall kaum zu überbieten. Von den hoch emotionalisierten Eltern zur Rede gestellt, verneint Beyto verschämt, am «Männerumzug» gewesen zu sein und verpasst damit den schwierigen Moment eines Coming-out.

Eine konfliktreiche Dilemma-Geschichte, wie sie junge Schwule immer wieder erleben, egal in welchem Kulturkreis sie leben, beginnt. Der Vater arrangiert heimlich die Heirat mit Seher, Beytos Freundin aus der Kindheit. Und schon befindet sich Beyto auf dem «Hochzeitsflug», so der Titel der literarischen Vorlage von Yusuf Ye?ilöz. Unter dem Vorwand, die schwer kranke Grossmutter zu besuchen, fliegt die Familie ins heimatliche Dorf. Als Beyto den Betrug realisiert, reagiert er hilflos und verzweifelt, umso mehr, als er keine Handyverbindung zu seinem Geliebten hat. Beyto wird mit Seher verheiratet. Nach der Rückkehr bahnt sich aber zwischen ihm, seinem frustrierten Freund und der verständnisvollen Seher ein befreiender Ausweg aus dem familiären Druck an. «Liebe ist grenzenlos», wie Burak Ates alias Beyto in einem Interview sagte.

«Beyto», CH 2020, Regie: Gitta Gsell, Besetzung: Burak Ates, Dimitri Stapfer, Ecem Aydin; Verleih: Frenetic Films Zürich. Ab 29. Oktober im Kino.

Quelle: medientipp.ch, Hans Hodel, 23. Oktober 2020